Tja 001

Der Publicus ist die Präsentationsplattform des Salons. Hier können Texte eingestellt werden, bei denen es den Autoren nicht um Textarbeit geht. Entsprechend sind hier besonders Kommentare und Diskussionen erwünscht, die über bloßes Lob oder reine Ablehnungsbekundung hinausgehen. Das Schildern von Leseeindrücken, Aufzeigen von Interpretationsansätzen, kurz Kommentare mit Rezensionscharakter verleihen dem Publicus erst seinen Gehalt
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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 29.07.2015, 15:08

Der Unterschied zwischen Wirklichkeit und Traum liegt nicht in der Wirklichkeit und der Unwirklichkeit.

Auch der Traum ist wirklich.

Die Erlebnisse im sogenannten Traum sind wirklich, wirklich im Kopf.

Ebenso wirklich im Kopf, und nur im Kopf, sind die anderen Erlebnisse.

Der Unterschied zwischen der sogenannten Wirklichkeit und dem Traum besteht allein in deren Feuer.

Erlebnisse im Traum feuern weniger als Erlebnisse anderswo.

Viel Unterschied ist das nicht.




Edit: Betreffzeile abgekürzt
Zuletzt geändert von Pjotr am 12.08.2015, 08:46, insgesamt 2-mal geändert.

Kurt
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Beitragvon Kurt » 29.07.2015, 16:16

Joor, und wenn ich mir den Kopf stoße, so ist es ja nur der Kopf im Kopf.
Tut aber trotzdem weh. :mrgreen:

LG Kurt
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

Niko

Beitragvon Niko » 29.07.2015, 16:28

Ist die rubrik möglicherweise ein irrtum?

Horrido!
Niko

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 29.07.2015, 19:07

Kein Irrtum, Banause.

An LG Kurt: Ohne Kopf kein Schmerz.

Niko

Beitragvon Niko » 29.07.2015, 21:35

da irrtum ausgeschlossen wird seitens des verfassers, hier der versuch, ernsthaft mich des textes anzunehmen. "text" deswegen, da ich nicht sagen kann, ob es sich hierbei um lyrik, lyrische prosa oder um einen aphorismus handelt. jemand sagte mir, dass dies schubladendenken hinfällig sei und letztlich nichts mit dem geschriebenen zu tun habe. nun gut. dennoch skizziert eine genre-zuweisung, wohin der autor will. skizzierung ist dann wichtig, wenn man so gar nicht erkennt, wohin das machwerk mich führen will. aphorismus scheint mir am naheliegendsten zu sein, jedoch bedürfte es hierfür die vielgepriesene kürze, in der ja die allseits bekannte würze liegt. an beidem mangelt es hier. lyrik ist fast ausgeschlossen. lediglich das feuer des traumes gen ende bekommt eine lyrisch-sinnliche note.

zum text selbst:

Der Unterschied zwischen Wirklichkeit und Traum liegt nicht in der Wirklichkeit und der Unwirklichkeit.

Auch der Traum ist wirklich.

eine nicht wirklich bahnbrechende erkenntnis. spätestens seid freud wissen wir, dass traum und wirklichkeit nicht von einander losgelöst zu betrachten sind uns das der traum seine eigene wirklichkeit hat, ebenso wie die wirklichkeit seine eigenen träume....

Die Erlebnisse im sogenannten Traum sind wirklich, wirklich im Kopf.

Ebenso wirklich im Kopf, und nur im Kopf, sind die anderen Erlebnisse.


im grunde sind diese zeilen entbehrlich, weil sie nur noch einmal ausmalen, was in den beiden zeilen davor bereits benannt wurde.

Der Unterschied zwischen der sogenannten Wirklichkeit und dem Traum besteht allein in deren Feuer.

Erlebnisse im Traum feuern weniger als Erlebnisse anderswo.

nicht nur die wirklichkeit, sondern auch der traum ist "sogenannt" suggestive formulierung in einem bis dahin analytisch wirken wollenden textlein.
schlussendlich halte ich die formulierung, die etwas poetisch klingen mag (feuern weniger als erlebnisse anderswo) nicht nur für ebenfalls suggestiv (anderswo als geringschätzendes wirklichkeitsort-wort), sondern für schlicht falsch. es mag sein, dass bei vielen es sich so darstellt, aber ebenso ist genau das gegenteil möglich und mit sicherheit auch bei einigen zutreffend.
Viel Unterschied ist das nicht.
was ist wieviel unterschied? und wer legt die größe des unterschiedes fest?
der schlusssatz klingt nach "booaahhh!!!!!" ist aber letztlich ein "hmmmmmmmmm"
was so lakonisch als essenz daherschweifen möchte ist letztlich ein nichstaussagender satz, irgendwie mit aussage, irgendwie aus der luft gegriffen. eigentlich nur ein "irgendwie"

fazit: altbekannte weisheiten mit einem feuer verziert und einer lakonisch klingenden quintessenz sind es für mich nicht wert, als publizierungswürdiges etwas betrachtet zu werden.

dennoch ernstgemeinte freundliche grüße nach einer ernstgemeinten kritik

horrido

NJK

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 29.07.2015, 22:12

Danke, Niko.

Wenn ich darf, hier ein paar Erläuterungen zu den einzelnen Kritikpunkten:

Ich setze diesen Text unter keines der genannten Subgenres; ich setzte ihn unter die Überschrift "Literatur".

Mein Hintergrund beim Schreiben war nicht Freud, sondern der englische Empirismus, Kants Idealismus und Poppers Kritischer Rationalismus. Für einige Leser ist die Einleitung sicherlich banal, aber ich meine, sie ist notwendig als Vorbereitung für die darauffolgende Ausleitung, vor allem für Leser, die sich mit Erkenntnisphilosophie bisher noch nicht beschäftigt haben.

Ich wollte den Text freihalten von Fremdwörtern. Ich suchte ein deutsches Wort für Intensität in einem abstrakt energetischen Sinn, nicht im missverständlich räumlichen Sinn (Ausmaß, Größe, Grad). Mir schien, "Feuer" kommt meiner Vorstellung recht nahe. Außerdem bietet Feuer ein Verb, Intensität tut das nicht.

Das Wort "sogenannt" gehört zu jenen Wörtern (wie etwa auch "wohl" oder "vermeintlich"), die notwendig sind, um Widersprüche auf der Vokabel-Seite wenigstens auf der Logik-Seite stimmig zu machen (dasjenige, was man verneint, muss man zunächst benennen, also bejahen, um zu zeigen, was man denn überhaupt verneinen will). Suggestion ist damit nicht beabsichtigt, aber wenn der Text so ankommt, ist es nicht schlimm.

Mein Hauptanliegen schwimmt jedoch in den Kaskaden zwischen den Zeilen und in jedem einzelnen Wort ...


Ahoy

P.

Niko

Beitragvon Niko » 29.07.2015, 22:21

Schlimm ist es keinesfalls. Nur in die irre leitend. Statt feuer wäre mir auch "tiefe" recht. Abgedroschen? Tiefgang oder wahrhaftigkeit. Etwas in der art.
Auch ohne kant und seine kumpanen weiß der leser von der ambivalenz von traum und Wirklichkeit. Ergo ist der anfang entbehrlich. Mach nen aphorismus draus!

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Beitragvon Pjotr » 29.07.2015, 22:46

Mir geht es nicht um einen Aphorismus. Mir geht es um ... ich habe keinen Namen dafür.

Mir geht es auch nicht um Textarbeit.

Mit "Traum" meine ich nicht nur "Traum", sondern auch den Zustand während eines Kinobesuchs und so weiter. Ich möchte Fremdwörter wie "Illusion" oder "irreal" vermeiden.

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birke
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Beitragvon birke » 30.07.2015, 00:01

Ich mag den text, wenngleich ich mit seiner kernaussage nicht übereinstimme.
Traum feuert (für mich) nicht weniger, er hat nur weniger (reale?) konsequenzen.
:)
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Beitragvon Pjotr » 30.07.2015, 00:16

birke hat geschrieben:Traum feuert (für mich) nicht weniger, er hat nur weniger (reale?) konsequenzen.
:)

Aber das bedeutet doch im Prinzip dasselbe: Die Konsequenz ist, dass durch "Illusion" oder "Simulation" hervorgerufene Erlebnisse weniger intensiv sind als "reale" Erlebnisse. Der Unterschied liegt in der Intensität der Erlebnisse. Um weitere Folgen oder Konsequenzen geht es nicht. Es geht nur um das Erlebnis per se. Um dessen Intensität. Empfindungen im "Traum" sind weniger intensiv als Empfindungen in der "Realität". Denoch sind jedwede Empfindungen vorhanden, also real. Beziehungsweise, so es einen Unterschied zwischen real und irreal geben sollte: man kann nicht sicher wissen, welche der Empfindungen real ist und welche nicht. Sicher wissen kann man nur, welche intensiver ist. Letzendlich ist auch die Behauptung, dass Illusionen weniger intensiv sind als Realitäten, nur eine Vermutung. Vielleicht ist das, was ich erträume, "realer" als jenes, was ich erwache. Schlussendlich kann ich es nicht wissen. Ich weiß nur sicher, dass ich erlebe.

Niko

Beitragvon Niko » 30.07.2015, 06:14

Träume sind unbewusst intensiver als die realität und steuern unser leben. Das nict-traum leben.

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Beitragvon birke » 30.07.2015, 10:47

Pjotr hat geschrieben:
birke hat geschrieben:Traum feuert (für mich) nicht weniger, er hat nur weniger (reale?) konsequenzen.
:)

Die Konsequenz ist, dass durch "Illusion" oder "Simulation" hervorgerufene Erlebnisse weniger intensiv sind als "reale" Erlebnisse.

ja, hier stimme ich dir zu.
ich denke aber, dass man hier unterscheiden muss, denn:
Pjotr hat geschrieben:Empfindungen im "Traum" sind weniger intensiv als Empfindungen in der "Realität".

ich denke nicht, dass in einem traum, den man schlafend träumt, die empfindungen weniger intensiv sind!
für mich kann ich das jedenfalls behaupten.
das beträfe halt nur die "illusion" oder "simulation".
wenn denn ... denn wie du so schön zum schluss sagst:

Pjotr hat geschrieben:Letzendlich ist auch die Behauptung, dass Illusionen weniger intensiv sind als Realitäten, nur eine Vermutung. Vielleicht ist das, was ich erträume, "realer" als jenes, was ich erwache. Schlussendlich kann ich es nicht wissen. Ich weiß nur sicher, dass ich erlebe.

JA! :)

lg,
birke
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Beitragvon Pjotr » 30.07.2015, 12:10

Ich sehe zwei Ebenen.

Wenn wir uns hier so unterhalten sind wir auf Ebene A. Hier auf Ebene A sage ich: Das Rot im "Traum" erlebe ich weniger intensiv als das Rot in der "Realität". Ähnliches gilt für andere erlebte Sinneseindrücke wie Lautstärke, Hautberührung etc.

Auf Ebene B jedoch weiß ich noch nicht einmal, was Ebene A tatsächlich ist, geschweige denn was ein "Traum" ist.


Ahoy

P.

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Beitragvon birke » 30.07.2015, 22:57

ja, wobei sich die beiden ebenen aber durchaus auch vermischen können.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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