schlachtvieh

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
pjesma

Beitragvon pjesma » 21.01.2012, 13:19

mit der bahn hin
mit der bahn zurück
durch morgendliche rosawolken,
durch die abenddämmerung

wie ochsen im mühlenrad
um die allgemeinplätze rottierend:
obdach und fraß

so wandert das schlachtvieh
und dreht seine kreise
spätnachmittags noch
unverdaut in den gedärmen
des zuges

steckt
an der ampel
im stau
in allgemeinem rinderwahnsinn

mit trockenen mündern
gähnen die einzelnen
gedanklich gen süden
geflüchteten kälber

weissknopfbemantelt
falschlederbeschuht

zum lesen haben sie
die leberwurstbrote aufgehoben
unliebsame karottenstücke
und obligatorisch nicht aufgegessenen apfel

der plötzlich in der kurve
auf den boden springt
und rollt und rollt und rollt und rollt

wie ein abgeschlagener kopf
der zartbitteren zeit

in allemagnia
Zuletzt geändert von pjesma am 25.01.2012, 11:44, insgesamt 1-mal geändert.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 25.01.2012, 11:01

Huhu Pjesma,

ich habe leider keine Ahnung, wer oder was oder warum hier als rinderwahnsinniges Schlachtvieh betitelt unterwegs ist oder wohin das Gedicht zeigen und mit meinen Gedanken fahren soll??? Warum ist die Zeit zartbitter (schöner Wortklang und schokoladig :)) und für wen und warum nicht in Deutschland, sondern in allemagnia?
Scheint mir insgesamt auch bildlich noch sehr unausgegoren, oder ich stehe völlig auf dem Schlauch?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

pjesma

Beitragvon pjesma » 25.01.2012, 11:17

huhu flora, das gedicht ist etwas älter, hieß früher schlachtvieh, allgemein, ich hab es gekürzt---daher ist allemagnia übriggebliebsel einer (heißt es- alliteration???)---ich fand es schön---allgemein---allemagnia wortklang. daher könnte man es auslassen, muss aber nicht---aber mit wort deutschland möchte ich es irgendwie nicht tauschen. das wort ist mir (in einem gedicht der etwas sozialkritisch zu sein versucht ;-)) irgendwie zu nachrichten-konnotiert, zu massenmeckernd und ich wünsch es mir melancholischer klingend, zeitvergehender. schwierigkeit an diesem gedicht stellt es für mich rüber zu bringen dass Lyrich nicht nur als eine kritische außenstelle die situation betrachtet, sondern mittendrinne steckt und mitfühlt, und ist teil der schlachtviehmasse. das ist mir bei dir offensichtlich nicht gelungen :-(, naja, mal sehen. es schwebte mir eine bestimmte stimmung in bahn vor---ganz früh morgens oder ganz spät abends---zur arbeit, von arbeit,müde, leer, immer selbe kreiße für wenig geld und noch weniger annerkennung, und das leben wird mit jedem moment kürzer und kürzer. diese ganze desilusionierte gesichter im bahn...naja. hoffentlich erklärts bisschen.
lg


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