(für meine Kinder)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 04.01.2018, 14:11

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Klimperer

Beitragvon Klimperer » 07.01.2018, 07:41

Die Widmung erschwert den Zugang zum Gedicht.

Der erste Vers fließt wie ein Bach aus der Quelle des Titels.

Diese Pflanze, die gehen und bleiben will, ein Symbol der immer nach besseren Zielen suchenden Menschen, steht hier auch für das Dilemma, mit dem sich oft viele konfrontiert sehen.
Interessant, und geglückt, die Zusammenstellung von an sich konträren Begriffen: zart reißen ...
Wenn ich nicht das Geschlecht des Menschen wüsste, der dieses Gedicht geschrieben hat, würde ich gleich auf eine Frau tippen, ich würde sehen, wie sie diese graue Kamille beobachtet und auf den Gedanken kommt, sie zart aus den Steinen zu reißen. Es ist im Grunde das Wort zart in dem Kontext, was das Geschlecht verrät.
Was nicht ausschließt, dass ein sehr sensible Mann auf den gleichen Gedanken kommen könnte.
Die letzten vier Verse würden, für sich alleine, ein sehr gutes Gedicht ausmachen.
Eine ganze Dramatik ist darin enthalten.
Ein stummer, schmerzvoller Abschied.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2018, 10:45

Hallo Klimperer (Carlos, oder?). Ich habe die "Widmung" weggestrichen in meinen Unterlagen, war mir selbst unsicher.

Hab Dank, dass Du Dich mit meinem Gedicht befasst hast!

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birke
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Beitragvon birke » 07.01.2018, 11:43

zwar hat das gedicht auch ohne die widmung bestand, ist dann noch etwas freier interpretierbar, aber gerade diese lesart mag ich hier. ist für mich nachvollziehbar, fühlbar. weil eben die beziehung zum eigenen kind eine ganz eigene, besondere ist. feines gedicht.
fast könnten die letzten vier zeilen entfallen oder auch für sich stehen..
lg

ps - was ich noch sagen wollte, dieses "reißen" (es reißt an einem, auch: zerrissenheit des freilassens und halten wollens) kommt für mich gut raus!
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Klara
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Beitragvon Klara » 07.01.2018, 16:14

... die Widmung finde ich unabdingbar!
Ohne die Widmung fände ich den Text langweilig.

Insgesamt ist mir nicht klar: Wie kann Kamille gehen?
Wie bettet man Wurzeln in Freiheit, wenn die Kamille längst gewachsen ist?

Und wieso fallen so viele Worte ein, wenn doch angeblich keines einfällt?
Das kommt mir wichtigtuerisch vor - als seien die Gefühle von lyrich wichtiger als diejenigen, denen das Nichtwortefinden gewidmet ist.

Die Idee finde ich schön, Kinder gehen lassen, UND bleiben lassen. Verwurzelt und frei. Im Herzen und weit fort.
Die Umsetzung überzeugt mich nicht.

herzlich
klara

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.01.2018, 18:40

Danke an alle!

Aber ich lass es jetzt so, auch wenns langweilig ist.

Der Mangel an Logik erschließt sich mir nicht, Klara. Jeder (so er mit der Bahn fährt) kennt die mickernden Pflanzen am Bahnsteig/ Bahndamm, die sich offenbar nicht sehr wohl fühlen und trotzdem wachsen. Bleiben sie halt kleiner, vergehen möglicherweise im Staub, ist halt so.
Man könnte sie umpflanzen, wie es im Text steht (macht natürlich niemand, d. h. Kamille von einem anderen Ort habe ich sogar mal in meinen Garten gepflanzt, geht also). Freiheit bedeutet hier: Mehr Platz bieten oder haben als in irgendwelchen Fugen und Ritzen.

Und es gibt kein Wort/ mir fällt keins ein, das Gehen und Bleiben gleichzeitig beinhaltet. Das heißt doch nicht, dass einem keine anderen Worte einfallen.

Deine Reaktion ist mir 'n Tacken zu hart. Aber sei's drum.

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 07.01.2018, 21:17

Ich finde auch: Der Text spricht für sich. Da muss die Autorin doch nicht noch erklären. Widmung ist aus meiner Sicht passend
LG Dede

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 08.01.2018, 13:24

Hallo Amanita

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Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 08.01.2018, 16:29

Liebe Ylvi,

hab Dank, aber das ist mir fremd. Da stimmen für mich die Bezüge nicht mehr, es wird mir zu kryptisch.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 08.01.2018, 17:47

Das ist interessant. Welche Bezüge gehen dir verloren, oder verschieben sich?
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 08.01.2018, 22:25

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Niko

Beitragvon Niko » 09.01.2018, 01:06

Liebe amanita!
Eines vorweg: Ein Gedicht mit diesem Titel, dieser Widmung ist letztlich ein Text, der nur schlüssig sein muss für deine Kinder und dich.

In der ersten Strophe ist die Metapher einigermaßen sperrig, wenngleich ich unter Zuhilfenahme des Titels mir einen Reim drauf machen kann.
Mir persönlich würde fast die zweite Strophe genügen. Zwar würde die einstimmende Metapher, so sie sich dann erschlossen hat fehlen, aber in der zweiten Strophe ist alle Tiefe und Aussage drin. Ich finde sie hervorragend! Und dieser Abschluss macht letztlich die Klasse dieses Textes aus.

Herzlichst - Niko

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.01.2018, 07:35

Hallo Niko, danke für Deinen Kommentar.


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