Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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birke
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Beitragvon birke » 16.02.2020, 22:00

ich lieb mich am rand
deiner worte entlang
weiche den steinen aus
granit und samtene
sammle ich auf
und gehe hinein
in den wald
aus gekörnten versen
pick ich die tiefsten
und schreibe daraus
ein nahgehgedicht
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Nifl
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Beitragvon Nifl » 18.02.2020, 18:58

Hohe Bauzäune

Ich halte Ausschau
nach der Nacht
dem Saum
spanne einen schwarzen Schirm auf
und darunter dämmert die Welt
zeigt ihr Gesicht
mit all den lebenslangen Verben
die zu tragen sind
wie feuchte Wäsche

Vom Häuten träume ich
vom Nachwachsen der Zähne
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 22.02.2020, 00:19

umnachtet vom mond die bäume und wir halten in diesen stürmischen zeiten gedicht an gedicht
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Klara
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Beitragvon Klara » 29.02.2020, 10:49

Durchbruch
Schweigen ist das Gegenteil von Brechen
wegt sich durch den Mund
Die Augen, Ohren, Haut
öffnend schallweise

Verschluckte Steine, Kröten, Flüche
lässt es fliegen oder tropfen
ins Gelöste
wie in heißem Wasser
ein Sofortgetränkt
(Jede Reise untersagend)

Deine unheiligen Finger
auf den Affenlippen
Musst du aus dem Weg stippen

Dein Sagen versiegen lassen wann
immer
Not tut
Die Worte aus den Schößen ziehen
(heiße, kalte, mittelwarme)
In die Blicke legen
von erbrochenem
Schweigen

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birke
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Beitragvon birke » 22.03.2020, 18:35

meinen ekel kann ich kaum verschweigen
und doch das schweigen nicht
brechen (eine leichte form von emetophobie)
ich wende mich
ab und zu
helleren dingen
zum beispiel
dem leuchten eines turms
einer sonne
einem wort
in seltsamer stille
aufrührender zeit
krisengebeutelt kontaktarm
bedachtsam
oder
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 28.03.2020, 16:08

trotzdem
wende ich mich
ab und zu
einer einsicht
von der ich absehen mag

denn im erkennen
lecken sich herz
und verstand die wunden
und bleiben auch
zum teil
ab und zu
auf der strecke

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birke
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Beitragvon birke » 29.03.2020, 00:20

das herz reicht dem verstand das wasser
fliegt mit den worten aus
warmem sand sende, wende ich
spuren von dir, von mir,
wie sie zusammenführen
wie sie sich die hand reichen
wie die angst
weicht
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 12.07.2020, 11:41




du denkst die stille des waldes
bis du das summen hörst


Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Nifl
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Beitragvon Nifl » 19.07.2020, 14:53

Nullsummenspiel
ich bringe mich zur Vernunft
wo auch immer sie ist

dein selbsttragender Körper
und meiner
das war was

dem Himmel sei Dank dafür

der Unterboden ist schick
dort drunten finde ich sie
verborgen

Ein Schichtenmodell
mit Abweg
und hinter uns wirbelt der Staub
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 23.07.2020, 23:48

und vor uns regnet es
blüten und andere süßheiten
du nimmst meine hand
und wir laufen im takt
des meeres der wellen tanz
entlässt uns ins offene
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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jondoy
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Beitragvon jondoy » 24.07.2020, 13:15

wie eine villa mit offenen türen,
aus der der winter rausrennt,
balancieren sie durch wellentäler,
es ist der starke gegenwind , der sie enthüllt,
und ihnen durch die haare streicht

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birke
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Beitragvon birke » 26.07.2020, 17:23

der regenwind erfasst uns, er-
schüttert unsere mitte
wir verlieren den boden
und fallen
aus allen wolken
in liebe
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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jondoy
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Beitragvon jondoy » 27.07.2020, 13:59

dieses unbekannte land
bewusst annehmen (erleben)
im träumen, mitwortenspielen und gedanken
in augen blicken,
die anders sehen,
wie ein gänseblümchen blühst du
mich an mitten im winter
mag schwarze Johannisbeeren genauso gerne wie die roten
das oft so beschissene leben
hat auf einmal mächtig glanz

Klara
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Beitragvon Klara » 15.08.2020, 10:21

Der Sommer lässt nach
Wie der Tag
Wie das Jahr
Ich kam durch
Mit den Zeichen der Zeit
Einsam war’s und gesprächig und voll
Mit triftiger Sonne und halbstarkem
Glück
Jetzt blinzelt die Sorge
Verschwörerisch in den Herbst


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