Bei den Araren

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MaxDernet
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Beitragvon MaxDernet » 14.09.2026, 09:26

Bei den Araren

...Dieser sich selbst als Herrenvolk bezeichnende Stamm lebt um seine Hauptstadt Schnetterteng am Ostrand der Bredouille. Herrenvolk nennt es sich, weil für seine stolzen Reihentöchter nur Sammelnamen existieren. Die Männer selbst nennen sich Arbaren, was soviel bedeutet wie Edelbärtige oder bärtige Edle. Heute sind dort natürlich alle glattrasiert bis auf ein gelegentliches Ziegenbärtchen. Sie lieben die Elektrizität, das meine ich wörtlich. Sie lieben und verehren sie und nutzen sie nicht nur, wie unsereins. Sie lieben auch die Arithmetik, die Archäologie und alle Formen der Artigkeit. Die Namen ihrer Söhne beginnen stets mit der Silbe ‘Ar‘ : Arbogast, Armin, Arthur, Ardolf, Armbrust. Ihr Führer trug in früheren, den groß - artigen Zeiten den Titel des Ararat, des Berges an dem sie vor Urzeiten aus dem Archaikum herübertreibend mit der Arche strandeten.
Früher träumten sie davon, die gesamte Bredouille zu arobern. Dies mißlang, aus Gründen, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde. Heute sitzen die Araren tief im Forst, verschanzt hinter den Wällen der Waldstadt Schnetterteng. Sie brechen von Zeit zu Zeit aus, die Umgebung zu kujonieren. Doch der alte Schwung ist dahin und die Überwältigung der Nachbarn will nicht mehr so recht gelingen. In Friedenszeiten hocken sie vor ihren groben Häusern und raunen sich Geschichten zu, von Lindwürmern, dem 'Argwurm', wie sie diese fabelhaften Tiere nennen, vom Volk der arglistigen Gnome, der Zwarge, im violetten Waldesdämmer, von fernen Festen auf steilem Fels, deren Zinnen von Reihentöchtern bevölkert, welche traurig harrend ihr goldenes Haar kämmen, von dunkel strömenden Wassern voller Nixen und Wassermännern. Den Lexotanil anerkennen sie nicht. Sie wissen um einen schöneren Strom, der aber nur in ihren Liedern fließt.
Sie betrachten die Arbeit als Wesen des Menschen, die Armee als Vereinigung aller Arme und edelste Form der Gesellung überhaupt. Sie verwenden neueste Technik, tümeln aber aus dem Herzinnersten heraus nach Kräften. Alle ihre Geräte haben Zierleisten aus dem Holz der Arbe, dem Nationalbaum der Arbaren. Ihre Stuben sind verholzt bis zur Decke hinauf, hellgescheuerte Tischplatten, grobe Bodendielen, Artefakte an den Wänden. Sie verwenden auch gerne Worte, die anderswo längst ausgestorben sind: Anderns für Zweitens, Beute für Bienenstock, Docke für Puppe, Eidam für Schwiegersohn, Durst für Kühnheit, Denkzeit für Epoche, Bruch für Hose, hinum für herum, Wendelstein für Wendeltreppe, Wildschur für Wolfspelz, Zeugemutter für die Natur. Eines ihrer Lieblingswörter ist 'zernichten', mit dreimals rollendem ‘r‘ ausgesprochen, sie meinen damit ein aus uralten Tagen überkommenes Verfahren sozialer Problembewältigung. An ihrer Hochschule ist es ararischen Artikulierern gelungen, längst ausgestorbene Wörter durch Kreuzung rückzuzüchten, so zum Beispiel das Wort ‘Plotz‘ ein Schallwort, von dem nur noch die Ableitung ‘plötzlich‘ existierte, oder ‘Quarre‘, welches sie aus dem irgendwo am Rande des Suhrkamp gefundenen Verb ‘quarren‘ zurückgewannen. Diese Rückzüchtungen finden aber im Umland wenig Anklang.
Jedes echten, ‘artigen‘ Araren Lieblingsbehauptung ist, daß Sigmund Freud seine Theorie nur aus einem tiefen Mißverständnis der Lehre Nietzsches, gepaart mit einem szientifischen Selbstmißverständnis heraus habe fehlentwickeln können. Sie sind überzeugt, ein Seelenleben bestehe nur aus dem Willen oder seinem Fehlen und das sei dann eben die Neurose. ....

Der Kalif von Ottobrunn

jondoy
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Beitragvon jondoy » 14.09.2026, 22:14

Bei den Aleuten, ein Mensch,
bist du dir sicher, Max Dernet, in dieses Forum Texte einstellen zu wollen,
es sprüht hier, vor Vergangenheit, kennst du den musikalisch umspülten begriff aus der Nostalgieszene, ´Veteranentreffen´ ,
trotz alledem wächst hier ein zartes Pflänzchen Zukunft, ich find das wunderbar,
hier findest du Raritäten wie eine unter Natuschutz stehende noch intakte wilde Müllkippe, in der treu und beständig texte mit politischem hintergedanken abgeladen werden, dass dich ja keine ladung erschlägt, das würde dem fahrzeug nicht gut tun,
der Name max dernet ist mir dunkel ein begriff vor ewigen zeiten, mit münchen verbind ich den Namen durchaus,
tft oder artverwandte aus der anfangsära steigen wie allzu früher herbstnebel auf,
medial lanciert, gestern dem restlichen menschenverstand gepostet, vielleicht bloß noch ein halbes jahr, bis sich ihrer ungeahnten Möglichkeiten entfaltende KI bisherigen kommunikationsbustern posttraumatische erlebnisse bescheren könnte, also nutze den Tag, den Whisky mit oder ohne Eis, Kassiopeia leistet dir Gesellschaft.

MaxDernet
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Beitragvon MaxDernet » 15.09.2026, 12:19

tft -ja damals, als wärs wie heute: Ein Textchen aus den tft Sammelband von 2008

Pokus und Dachtschade

Einst erdachte sich der nette Pokus aus Jux und Tollerei ein Grübelei. Doch da er keine Lust verspürte, selber zu brüten - es stand ein wundervoller Spätsommer über dem Land- legte er das Grübelei in ein ordentliches Nestchen und stellte dies frank und frei.
Nicht lange, da tappte eine Dachtschade des Weges, welcher justament die Gelegenheit weggespült worden war.
Ei, das kommt mir wie gerufen, dachte die Dachtschade, setzte sich auf das Grübelei und brütete was ihr Hintern hergab. Doch war selbiger gar zu gewichtig und sie plättete das Grübelei in Grund und Boden.
Ach, wie schade! verkündete sie lauthals und trollte sich mit verklebtem Bürzel.
Der nette Pokus aber fand alles höchst bedauerlich und nahm sich vor, künftig Gipseier auszulegen.

aber du hast recht, hier dodelt es. ein wenig.

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Mnemosyne
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Beitragvon Mnemosyne » 15.09.2026, 17:26

Ich finde den Text ganz großartig. Er erinnert mich an Borges, nur dass hier noch die Wortspielerei dazu kommt.
Das uneingelöste Versprechen

"Dies mißlang, aus Gründen, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde."

finde ich aber bedauerlich, ich hätte gerne erfahren, was die Eroberung der Bredouille verhindert hat.

MaxDernet
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Beitragvon MaxDernet » 15.09.2026, 21:40

Hallo Mnemosnyne , herzlichen dank, freut mich sehr, dass der text gefällt. er ist teil eines recht versponnenen romans. ich werde den anschlußtext einstellen, um klarheit zu schaffen.


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