An meine Schutzmaske

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 13.03.2019, 08:17

An meine Schutzmaske

habe ich mich gewöhnt:
ihr weiches Vlies verhüllt
meine Stimme und meinen Blick,
weiß laufe ich durch die
Straßen der Stadt,
leicht und libellenhaft
längst geheilt –
doch: eine schüttere Frucht
bin ich, eine Herbstfrau
in schmiegsamer Schale.
Einmal verlor ich sie
auf dem Platz vor dem Dom –
Raubvögel wollten mir
aus den Augen Antworten picken.
Taschendiebe zerrten an
meinem Lächeln
und meine Tränen
wussten nicht, wohin.
Meine Schutzmaske trage ich
wie eine stille und weise Königin.

Klara
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Beitragvon Klara » 14.03.2019, 17:59

Hallo Amanita,
damit kann ich viel anfangen!

Für mich könntest du die letzten beiden Verse ersatzlos streichen: Diese Zusammenfassung (und Verengung) möchte ich als Leserin selbst erledigen, wenn, außerdem ist sie für mich nicht logisch.

Auch die Kommas und Punkte bräuchte es aus meiner Sicht nicht.

Damit es rund wird, zurück zur Schutzmaske kehrt, müsste ein anderer Vers her. Ich weiß nicht welcher, meinethalben könnte es auch offen bleiben, "wussten nicht wohin" als Schlussvers.

Hezrlich
Klara

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.03.2019, 19:33

Hallo Klara, danke,

ja, den Gedanken hatte ich auch (mehrmals). Aber mir gefällt das Wohin-Ende nicht, ich brauche ein "versöhnliches" Ende.

Vielleicht hat ja jemand eine Idee?

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birke
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Beitragvon birke » 14.03.2019, 20:08

da kann ich auch viel mit anfangen :)
am schluss könnte ich mir vorstellen, "stille und weise" zu streichen - das bild der königin ist auch so stark genug, meine ich.
lg, birke
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.03.2019, 20:19

Liebe birke, hm, diese Version habe ich auch schon durchgespielt. Irgendwie passt die ganze letzte Zeile stilistisch nicht (Klara hat also wirklich recht). Aber-mir-fällt-einfach-nix-ein.

Meine Schutzmaske trage ich/ wie ... / auf meinem Gesicht

war mein erster Gedanke dazu, aber damit kam ich leider auch nicht weiter: Ja wie was denn? Aber ich glaube, das ist doch besser, als das lyrIch nochmal näher zu bezeichnen.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.03.2019, 20:40

Meine Schutzmaske
ist eine Größenhaut


ließ mein Unterbewusstsein gerade los. Ich glaube, in diese Richtung will ich.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.03.2019, 21:15

Oder vielleicht einfach mit

meine Schutzmaske trage ich –

enden? Was meint Ihr?

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 14.03.2019, 21:30

Ich denke, das Problem mit "wie eine Königin" ist, dass Königinnen nicht bekannt dafür sind, Schutzmasken zu tragen. Das "Wie"-Bild funktioniert nicht; es verdeutlicht nicht das "Wie" des Schutzmaskentragens. Deshalb schließe ich aus dieser Zeile kein wahrhaftiges "Wie", sondern ein verstecktes "Ich bin": "Ich bin eine stille und weise Königin, unter meiner Schutzmaske."

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.03.2019, 21:37

Jaja genau, Pjotr, so wars gemeint. Sie macht "mich" dazu.

Der Gedanke ist auch nicht ganz weg. Aber wohl so auch nicht notwendig.


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