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birke
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Beitragvon birke » 04.06.2020, 08:40

.

das klacken deiner schuhe auf asphalt hallt nach
irgendwo
im baum sitzt ein kuckuck
du nimmst meine hand und
unsere schritte führen weit
weiter noch am wegrand
wachsen wunder und atom
kraftwerke, damit hatten wir
nicht gerechnet

.
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jondoy
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Beitragvon jondoy » 21.06.2020, 20:12

...diese zeilen lassen mich Leser eintauchen in eine entspannte, wohltuende Atmosphäre, in der die Protagonisten glücklicherweise nicht viel nachdenken, sondern alles, was ihnen da am metamophorischen Wegrand begegnet und vielleicht mit ihnen unterwegs geschieht, auf ihre eigene Weise bemerken und beide wissen, wie zerbrechlich das Leben ist.
wunder und atom kraftwerke könnten beides als Metapher für alles Mögliche stehen, Unsichtbares oder Sichtbares.
In diesen Zeilen geht es immer in der Bewegung weiter, so empfinde ich es beim Lesen, die Intension dieser Zeilen bleibt stehen und genießt und bleibt doch nicht stehen, weil sie nicht stehen bleiben, sondern wachsen will, und gleichzeitig lassen sich ihre Bewegungen so und so lesen, was wiederum für das spielerische Element, das Leichte, in diesen Zeilen spricht.
Auch den titel empind ich angenehm. Einfach und schlicht. Man braucht keine große Worte drum machen. Vielleicht fangen diese Zeilen ja auch - unausgesprochen - den Moment ein, wo einem das bewusst wird. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass dies gleichzeitig - im selben Moment - in zwei Menschen geschieht. danke sehr, liebe birke für diese zeilen

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birke
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Beitragvon birke » 22.06.2020, 15:04

… und ich danke dir sehr, lieber jondoy, für deinen schönen kommentar – und doch, ich glaube schon, dass dies gleichzeitig in zwei menschen vorgehen kann, wenn sie sich nah sind, sei es nun körperlich oder seelisch oder auch geistig, räumlich oder zeitlich, oder alles zusammen… wenn sie ähnlich-schwingen.
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jondoy
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Beitragvon jondoy » 22.06.2020, 22:21

....damit lockst du mich heraus, noch etwas dazu zu sagen, wie kann ich es erklären....ich wähle einen Umweg, beginne mit einem Vergleich, eigentlich ist das, was ich jetzt schreibe, off-topic, wenn ich Menschen begegne, die offen religiös sind, gleich, ob mit einem sehr optimistischem Touch, beispielsweise Menschen aus Evangelischen Freikirchen, die ich näher kenne, die in manchen Momenten vor Lebendigkeit, Optimisus und Enthusiasmus geradezu überschäumen, oder aus dem anderen, streng konservativen Lager, bei denen der Teufel, hab ich den Eindruck, fast schon täglich mit am Esstisch sitzt und die alles zur Sünde erklären, was nicht reiß- und nagelfest ist, also in ihren Augen nicht rein ist, außer Maria bleibt da nicht viel übrig, denen sag ich dann, ich glaub an nichts, ich streite es ab.
Andere Menschen, die ich näher kenne, erzählen mir, sie glauben an gar nichts, aber wenn sie dann offen von sich erzählen, kommt meistens um Vorschein, dass sie doch an irgendetwas glauben, an unterschiedlichste Dinge, wo ich mich dann plötzlich fast schon als astreiner Atheist vorkomme, mal abgesehen von meinem christlichen Spleen. Ich bin überhaupt noch nie einem echten Atheisten begegnet, vielleicht war ja Stephen Hawking einer, aber Vorsicht, er war liebevoll zu seinen Kindern. Denen erzähle ich, ich bin gläubig, bin sogar Mitglied der katholischen Kirche, auch wenn ich lieber evangelische Kirchentage besuche und mein ganzes bisheriges Leben vergeblich auf einen Papst warte, der sich endlich traut, Türen aufzureisen, und nicht so schnell stirbt wie Johannes 23, und ich trete auch nicht aus der Katholischen aus, egal welchen Mist deren Mitglieder bauen, Austreten ist in meinen Augen auch keine Lösung, Weggehen löst nicht die Probleme, Veränderungen bedürfen Ausdauer eines langem Atem. Und was bin ich nur wirklich, bin ich Christ und gläubig? Mein Lieblingsapostel ist der Apostel Thomas, weil der gezweifelt hat und mir dies so sympathisch ist. Ich würde mir nie erlauben zu sagen, dass es so ist und so sein wird, doch bedeutet mir mein Glaube mitunter wenigstens Hoffnung, ich seh mich da in einer langen historischen Reihe Verrückter, die seit tausenden von Jahren so verrückt sind, daran zu glauben, obgleich sie ständig an ihrem Glauben zweifeln, und ich fühl mich richtig stolz dabei, kann ja sein, dass es wirklich einen Himmel im religiösen Sinne gibt, den akteptiere ich übrigens nur, wenn da nichts mehr so ist wie auf der Erde, vom Regen in die Traufe, da bleib ich lieber Atheist, und manchmal baut mein Glaube mich auch auf und gibt mir Halt. Wenn Menschen, die dir nahe stehen, in deinen Händen sterben, ist es ein Trost für dich, dass es diese Hoffnug gibt, find ich, wenigstens für die hoffe ich, dass es so was gibt, ....also ich kann dir nur sagen, ich zweifle religös gläubig und fühl mich mitunter als Verrückter....., ach ja, ich besuche sogar gerne Gottesdienste, auf einem T-Shirt für den Evangelischen Katholikentag in Bremen hab ich aufdrucken lassen: "Meine besten Freunde nennen sich Atheisten. Wer ist verrückter?" Das, liebe Birke war für dich und nur der Prolog und und jetzt kommt meine Antwort, vermutlich glaube ich im Inneren schon daran, dass so etwas gleichzeitig in zwei Menschen geschehen kann, wenn sie sich nah sind, ich habs halt nur noch nie selbst erlebt. Im Grunde bin ich vermutlich ein Romantiker, Ich weiss noch als Jugendlicher habe ich zwei Jugendbücher gelesen, die mich vielleicht romantisch geprägt haben, eines hieß "Der gelbe Vogel" von Myron Levoy, das andere "Liebste Abby" von Hadley Irwin. In beiden Geschichten gings darum, wie ein Junge in Wochen und Monaten es schaffte, ein völlig verhaltensgestörtes Mädchen zu öffnen, ihr Vertrauen und dann ihre Liebe zu gewinnen, denen ist dann vermutlich genau so was passiert. Es war lange Zeit als Jugendlicher mein Traum, selbst so etwas zu erleben, dabei ist es auch geblieben. Eine der beiden Geschichten endete ganz tragisch, die zweite nur halbtragisch, mit einer ganz vorsichtigen Hoffnung. Jedenfalls haben mich diese beiden Geschichten ziemlich lange begleitet, geprägt hat mich eher das Nichtstattfinden. Mein Außenseitertum in meinen jungen Jahren hat mich nur meine blühende Phantasie überleben lassen, und, liebe Birke, vielleicht fehlt es mir ja bloß an positivem Denken, von Seelenverwandschaft habe ich in Romanen gelesen, persönlich ist sie mir bislang nie begegnet, aber das heißt natürlich nicht, dass es das nicht gibt, glücklicherweise irre ich mich oft, vielleicht bin ich in einem gewissen Sinne so ein ähnlicher Typ wie der ungläubige Thomas, der es nicht glauben will, bevor er es nicht selber sieht, ....das darfst du jetzt nicht alles wortwörtlich nehmen, aber den Sinn trifft es irgendwie schon. Eine seltsame Antwort, birke.

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birke
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Beitragvon birke » 23.06.2020, 10:27

oh, überhaupt keine seltsame antwort, lieber jondoy, sondern so schön tiefsinnig und ja, berührend.

erstmal vorweg: wie wunderbar, wundersam, „der gelbe vogel“ steht heute noch bei mir im regal, ein buch, das tatsächlich auch mir noch gut im gedächtnis ist, und „liebste abby“ sagt mir auch etwas, gelesen hab ich es vermutlich auch. jahrzehnte her. aber ich habe schon immer diese dtv-pocket jugendbücher sehr gern gelesen.

ich selbst würde mich derzeit wohl am ehesten als agnostikerin bezeichnen (obwohl offiziell evangelisch, finde auch nicht alles durchweg schlecht, was das angeht, wurde zum beispiel von einem pastor konfirmiert, der ein wundervoller mensch war, und uns seinerzeit echt viel mitgegeben hat) – zwar glaube ich nicht an irgendeinen (und schon gar nicht an den einen) gott, (viele menschen scheinen aber so eine art hm, leitfigur, zu brauchen? ... und vieles mehr, was "religion" "bietet", aber das führt hier zu weit) aber es gibt so viele dinge, die sich (noch) nicht mit dem menschlichen verstand fassen lassen, wir lernen ja auch immer noch dazu, längst ist nicht alles erforscht, vielmehr nur ein bruchteil? und was ist zum beispiel mit dem gesamten gefühlsleben, ist das rein biologisch/ chemisch erklärbar? ich weiß es nicht, kann es mir nicht vorstellen! und die bezeichnung seele für das innere, für das gefühlsleben verwende ich nie auf das christentum bezogen, sondern ganz allgemein für das, was den menschen ausmacht, das nicht-körperliche, umfasst für mich auch den geist. und ja, zweiflerin, das bin ich ganz sicher auch.

und ja, doch, so eine art seelenverwandtschaft, oder vielleicht eher ein einklang, das gibt es schon, kenne ich selbst, das gibt es nicht nur im buch. aber, so kristallisiert sich für mich heraus, passiert/ besteht das auch viel eher "nur" in momenten. :)

hab vielen dank und sei ganz herzlich gegrüßt von diana
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