Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

Klara
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Beitragvon Klara » 05.04.2018, 08:29

Kein Schicksal, er ist mir schlicht
in den Schoß gefallen, herbeigewünscht
während der Verheiratete
sich stotternd wegduckt, als fürchte er das fehlende „hei“ im Attribut
Rate mal!
Im Hinterkopf spüre ich
einen Fremden, gesichts- und namenlos (doch böse
darf er nicht sein)
von hinten kommen. Dass es reine
Biologie ist, der das Herz, am rechten Fleck, im Leibe hüpft, macht ihn nicht kleiner, denn Altern
steht als ähnlich unzureichender Schutz am Weg wie der Jäger-
Zaun, der den Jagenden fürchtet und doch im Munde führt.
In die Schwellung denkt mein Schoß
mit all der peinlichen Notwendigkeit
die so oft geleugnet wird,
schreibt sich und der Tinte eine Notiz
„feucht bleiben!“

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birke
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Beitragvon birke » 28.04.2018, 17:48

.

das geständnis
aus deiner körpermitte
erfreut mich
du weißt, unsere liebe
steht
(nicht nur)
in den sternen

.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Klara
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Beitragvon Klara » 27.05.2018, 15:16

Bitte um

Es war ein heißes Rennen das Leben
Ich wünschte jemand würde sagen Dich
Habe ich gesucht
Zum Langsamseindürfen
Erlaube mir
Dich zu bremsen

Mein Herz stammelt klamm
Wie es immer tut setzt zwischen zwei Schläge
Den dritten Davon eingekästelt
Fühle ich mich sicher
Vor der Liebe
Die mehr will als in mir
Sprüche klopfen
(Wenn man sich viel
Vorstellt passiert weniger)

Meine Geschichte muss anfangen mit
Du
Drumherum ich und Leute und Sachen
Darüber Moral und drunter
Die Lust
Auf die Frage am Ende zur Antwort
„Ja.“

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 13.06.2018, 22:00




bitte ... auch das wort verschwimmt gerinnt
wenn du es nur lange genug aussprichst ausbrichst
aus deinem zopf könnte man ein seil flechten
und warum winkst du niemals im traum
bist du lange nicht geflogen


Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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nera
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Beitragvon nera » 27.06.2018, 02:45

ich fliege
wie ein mauersegler
an die wand
der den feind
von der brut ablenken will
aber nein
auch das ist nichts anderes
als träumen
ich könnte nur einmal noch schwimmen
in träumen, träume ich,
mit dem strom schwimmen
treiben lassen
(mein geliebter sagt, ich wirke so müde, wenn ich vom sterben komme und ich kann mir den geruch des todes nicht aus den augen wischen und ich bin müde schlaflos ertrinke)
und die bücher treiben vor mir her
und ich sammele zeilen
und breche blüten
in einen korb
und verschließe das brennen
in gläser für bessere zeiten
ich fliege
in dein gedächtnis
sage ich
und weiß
dass ich lüge
weil
weil ich nicht fliege
weil ich mir wünsche
in deinem gedächtnis gelandet zu sein
und weil man das brennen nicht konservieren kann
und du mir einen korb gibst
wenn ich nicht schwimme
und du hast recht
wenn du sagst, dass ich dich hasse
dass du nicht fliegst
weil ich mich erinnere
einen moment lang
weil du mich an mich erinnerst

das sollten wir uns verzeihen
träume ich
während die worte zu söldnern werden
und zaudere
und moses in einem korb geborgen
- liebe- sagt jemand
der brennnessel sammelt oder tollkirsche
in weidenschiffen
weidenkörben
biegt sich die wahrheit den wünschen
biege ich binsen zu wahrheit
und die milch flockt aus
während das milchmädchen rechnet?

ich winde mir labkraut ins graue haar
sammele

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 27.06.2018, 19:49

von den worten
winden abstellen
das herz
berieseln lassen
und
das lächeln schlucken
bis sich der kloß auflöst
weil man atmen muss
das alte spiel der bilder
wer gehört zu wem
wenn der tag anbricht
wie eine tafel schokolade
sagst du: ich
habe schon immer nur
ein stück genommen
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Klara
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Beitragvon Klara » 06.07.2018, 19:06

Zusammen gehen

Es nützt nichts, gegen das Leben ankämpfen zu wollen. Man kann nur verlieren. (…) Kämpfen soll und muss man gegen die Feinde des Lebens. Aber wenn es um das Leben selbst geht, muss man kommen wie die Blume, nackt und wehrlos und unendlich berührungsfreudig. (D. H. Lawrence)

Ich kam zu dir wie ein gestrandetes Tier
Nasse Federn, gerupft
Ohne eine Idee, wer ich mit dir war
Oder wo, und warum

Du sahst mich und wusstest nicht recht
Was du mit mir anfangen sollst
Und wie und wozu
Während deine Augen mich unwillig liebten
Und deine Hände nach meinen suchten

So stieß ich auf dich wie auf einen Fund
Der noch keinem gehört
Mir vor die Füße gefallen
direkt aus dem Himmel wahrscheinlich wie etwas
zu lange Gesuchtes
Hebe ich dich auf, ohne zu wissen,
was nun zu geschehen hätte
Zu genau ist mir klar
Wie und dass alles endet
und wie wenig die gängigen Rahmen taugen
zu eng sind sie oder zu weit und zu eckig, zu starr

Wir schnupperten, ließen einander
Links liegen, eine lange sinnlose Weile
Hilflos
Schnapptest du nach Luft, und ich
legte dich zu den inneren Akten
Schlug das Kreuz, wies mich an, dir nicht in den Weg zu gehen

Dann kamen wir aufeinander zurück
Du hast meine Federn gerade gestrichen
Deine warmen Flügel schlangst du um mich
Wie ein Vater
Wie ein Freund
Wie eine Liebe
Doch bis jetzt gelingt es dir
Mich nicht gehen zu lassen
Und mir,
nicht nach morgen zu fragen

Vielleicht fürchtest du
Dass ich fliege
Weit fort
Oder hin oder her oder plötzlich zu nah
Oder dass du nicht wiederkommst, wenn du gehst
Oder dass es dir nicht reicht oder zu viel wird
- Das ist deine Sache
Meine eigenen Fürchte reichen für mein ganzes Leben
Ich gebe mich nicht geschlagen und wünschte, du könntest mich hören:
Hab‘ keine Angst! Meine Angst reicht für uns beide.

Schließlich ging ich dir zu wie ein gestrandetes Tier
Eine Möwe vielleicht oder ein
Phantasievogel
Du hast die Verantwortung für unser Bunt
wie ich
dich halte und zittere bei jedem Schritt,
den ich mit dir gehe
Zuletzt geändert von Klara am 10.07.2018, 09:43, insgesamt 7-mal geändert.

Nifl
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Beitragvon Nifl » 06.07.2018, 21:31

Rot im Glas im Auge
Funken der Schruppscheibe
ziehen einen Bogen
Flammen lodern am Bauch
die Hitze klopft sich selbst aus
E-Hand geschweißtes Wir
und dieser federnde Schlackehammer
bringt der Narbennaht das Glück
dann behängen wir uns mit Edelstahl
merken die Schwere erst spät
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Klara
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Beitragvon Klara » 07.07.2018, 11:43

Ich halt mich an Wasser und Holz
und übe Langsamkeit
Vorgezeichnet mit Bleistift
um meine Narben herum
ganz weich

Ihr Klaffen reicht weit
(Beschleunigung kostet Lust)
Der Seeadler ruft
Wider das Rasen
Stemmt sich voll Vergeblichkeit der schnelle Biber
immer auf der Jagd nach hölzernen Geschäften.

Mein Notizbuch lauscht dem Wind in Speichern
den still fröstelnden Tropfen. Sehnsucht nagt am Tau. Buchstaben spenden Wärme
auf Zetteln
gänzlich unprofessionell
in den Strom geschnippt

Nifl
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Beitragvon Nifl » 29.07.2018, 21:28

Gerade Zeilen
wachsbleicher Tag
Leinen knittert
Flachfasern weiß gestärkt
wenn Hüllen fallen
nackt die Hände zum Gruße
ein Abschied
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 30.07.2018, 15:03




weiß gestärkt


abschied.
das kann
nur der tod

alles andere
ist und bleibt
kursiv,

wir lehnen uns




Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.07.2018, 16:06

kursiv leben
ja, das ist es
kein stemmen
gegen
ein hineinfallen lassen
in
das groß und windig
geschmeidig und weich
ja
kursiv leben

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birke
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Beitragvon birke » 30.07.2018, 16:26

.

ich halte mich an reinen wein, wasser und brot
und schwenke ganz langsam aus der zeile

nicht kursiv will ich leben
sondern aufrecht
dich im sturm erobern

dann setzen wir uns auf die terrasse
ich schenke dir ein
und das glas ist immer
halb voll

.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 30.07.2018, 17:58




kriegsrhetorik und liebe
wie das zusammen-gehen soll
hab ich nie verstanden


Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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