An die Heckenrose

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 06.07.2009, 18:05

So, hier ist mein erster Vertonungsversuch. Ist ja alles gar nicht so einfach. Es gibt soooo viele Möglichkeiten, einen Text zu intonieren!

Also, bitte reichlich Tipps und Kritik!

Hörversion




Ode an die Heckenrose


Hagerose Hundsrose Heckenrose
von den Wegelagerern bist du mir die Liebste;
du bestichst durch die Schlichtheit einer
Königin Mutter!

Während Flieder, Rotdorn und Heckenkirsche
früh schon ihre Blüten verschenken,
hangelst du noch heimlich höher in alte Eichen
häkelst in Zäunen.

Hab dich selbst auf staubigem Bahndamm angetroffen,
über karge Viehweiden wachst du,
wenn die Junisonne sich wendet,
Ländlichschönste der Blumen.

Manchen Feldweg hältst du versperrt,
doch jeden Tropfen Blut, den du mir genommen,
gibst du zurück nach klirrendem Frost
wenn weich dein Buttenmark zergeht.

Einmal fand ich in deinen Zweigen
wirre Knollen, herbe struppige Äpfel,
die ich unters Kissen legte -
da wuchs die Hecke riesengroß.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 08.07.2009, 00:55

Liebe Flora,

ich bin ja auch nicht ganz der Meinung von Michael Rossié. Es kommt immer auf den Text an. Bei Texten, die sehr sprachspielerisch angelegt sind, kann ich mich immer gut austoben. Bei etwas besinnlicherer Naturlyrik tu ich mich mit dem Vortragen noch sehr schwer, da habe ich meinen Ton noch nicht richtig gefunden (vielleicht finde ich ihn hier mit eurer Hilfe!). Die Texte neutral wie ein Nachrichtensprecher vorzulesen, ist sicher nicht angemessen. Aber während einer Lesung ganze Gefühlswechselbäder nachzuvollziehen, und das bei kurzen bis sehr kurzen Gedichten, kann für den Leser bestimmt nervig sein.

Speziell für die Heckenrose gilt das, was ich auch schon im ersten Diskussionsfaden dazu gesagt habe: Es ist für mich ein zarter, schlichter Text ohne Pathos und so möchte ich ihn auch sprechen.

Lieber ferdi,

die Spannung, die du ansprichst, ist sicher ein ganz wesentliches Element eines gelungenen Gedichts. Mag wohl sein, dass ich den Odenrhythmus hier nicht richtig verinnerlicht habe. Die Betonung etwas gleichmäßiger herauszuarbeiten, könnte da vielleicht helfen. Bei mir bist du übrigens mit "Formstandpunkten" immer richtig!

Liebe Mucki,

wenn ein Gedicht die Intention des Autors erst offenbart, wenn der Autor es vorträgt, ist das aber ein Armutszeugnis für das geschriebene Wort! Ich schreibe eigentlich selten mit einer Intention, sondern mehr aus Freude am Wort und lasse gern zu, dass die Worte beim Leser andere Eindrücke hervorrufen, als die, die bei der Entstehung des Gedichts Pate standen. Gerade die Lyrik lebt doch von der Vielschichtigkeit, der Mehrdeutigkeit (nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit).

Trotzdem will ich euch den vorhin kurz eingestellten Link noch zu hören geben. Allerdings ist der Anfang (Titel und 'Hagerose') nicht gut gelungen, zu laut und dumpf. Danach kommen aber einige Modulationen, die in der ersten Hörversion fehlen. Langsamer ists auch. Und der Gesang am Ende ist weggefallen.

Link vorerst gelöscht
Zuletzt geändert von fenestra am 25.09.2009, 14:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 08.07.2009, 09:50

Hallo fenestra,

Aber während einer Lesung ganze Gefühlswechselbäder nachzuvollziehen, und das bei kurzen bis sehr kurzen Gedichten, kann für den Leser bestimmt nervig sein.

Wenn das aber inhaltlich im Gedicht so angelegt ist? Ich glaube das würde mich dann auch am geschriebenen Wort nerven, weil ich es dann ja auch so hören würde.

wenn ein Gedicht die Intention des Autors erst offenbart, wenn der Autor es vorträgt, ist das aber ein Armutszeugnis für das geschriebene Wort! Ich schreibe eigentlich selten mit einer Intention, sondern mehr aus Freude am Wort und lasse gern zu, dass die Worte beim Leser andere Eindrücke hervorrufen, als die, die bei der Entstehung des Gedichts Pate standen. Gerade die Lyrik lebt doch von der Vielschichtigkeit, der Mehrdeutigkeit (nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit).

Gerade weil das geschriebene Wort so unterschiedliche Assoziationen und Eindrücke hervorrufen kann, wird die Intention des Autors (nicht das, was der Text einem selbst sagt) oft erst über die Art des Lesens deutlich, denn er muss sich dann ja sozusagen zu seiner Leseart bekennen. Wenn man selbst einen eigenen Zugang zum Text gefunden hatte, ihn für sich „hören“ konnte, hat es die Lesung meist sehr schwer zu überzeugen, anzukommen, weil sie (zumindest bei mir) nur selten übereinstimmt mit dem eigenen Klang. Da reibt sich dann das Gehörte mit der Erwartung und erzeugt so Dissonanzen, Verschiebungen, die irritieren. Wenn der Text einen jedoch nicht angesprochen hat, oder einem unverständlich blieb, dann ist diese zusätzliche Ebene sicher eine Hilfe, weil sie einen Weg aufzeigt, eine Leseweise vorgibt, an der man sich orientieren kann.

Zu deiner zweiten Version:
sehr schön finde ich
das „bestichst“
und die letzte Zeile! (Mit dieser Wort-Klangstimmigkeit würde ich gerne das ganze Gedicht hören.)

Die erste Zeile ist im Vergleich zu meiner Erwartung noch immer zu benennend, botanisch. Ich höre das tatsächlich wie den Anfang eines Zauberspruches, mit einem Lächeln im Gesicht. :o)

Bei der „Mutter“ würde ich auch wegen des Ausrufezeichens etwas anderes erwarten, es klingt mir zu beliebig, nebensächlich.

Was mich auch bei den Hörversionen und bei meinem lauten Lesen stört, ist das „wachst du“, ich will noch immer „wachend“ lesen und hören. ( :rolleyes: entschuldige meine Beharrlichkeit)

Beim „Frost“ würde ich gerne mehr frösteln. Das „weich“ finde ich sehr schön, aber das „Buttenmark“ und das „zergeht“, zergeht mir nicht entsprechend, als wolltest du das „weiche“ wieder auffangen und relativieren.
Insgesamt komme ich selbst beim Lesen stimmlich an den Zeilenenden an und lese nicht zeilenübergreifend, sondern mit einer Pause und neuem Ansatz. Das fällt mir vor allem bei S3 und 4 auf.
Der Übergang zwischen den letzten beiden Strophen ist mir noch immer zu hastig, da hätte ich gerne mehr Luft.

Vielleicht ist noch eine Anregung für dich dabei.

Ich freue mich schon auf einen Text, bei dem du dich austobst. :-)

Liebe Grüße
Flora

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 08.07.2009, 23:58

Insgesamt komme ich selbst beim Lesen stimmlich an den Zeilenenden an und lese nicht zeilenübergreifend, sondern mit einer Pause und neuem Ansatz.


Liebe Flora, meinst du, dass ich die Zeilen zu sehr übergreifend gelesen habe? Das würde mit ferdis Beobachtung übereinstimmen, dass ich das Odenschema insgesamt ignoriere und dadurch keinen Spannung erzeugenden Rhythmus in den Vortrag bringe. Ein Punkt, an dem ich sicher noch arbeiten muss.

'wachend' statt 'wachst du' würde den Sinn ändern. Nicht die Rosen, die an den Bahndämmen stehen, wachen über Viehweiden, sondern es gibt Rosen auf Bahndämmen und auch welche auf kargen Viehweiden. Nur um zu zeigen, wie bescheiden die Rosen sind.

Jedes Wort so stimmig betonen wie 'besticht' und 'weich' - das ist sicher sehr schwierig, ohne lächerlich zu wirken. Ich würde gern mal ein Beispiel hören von einem Text, der so emotional vorgetragen wird. Weißt du eines?

Nochmal zu Intention und geschriebenem Wort: Klar kann man, wenn man möchte, durch die Vortragsweise den Text noch einmal komplett überfärben. Auf der Homepage von Rossié gibt es dazu ein schönes Beispiel (http://www.sprechertraining.de, Hörbeispiele 11 und 12). Sowas bietet sich aber vor allem bei Texten an, die wörtliche Rede enthalten.

Vielen Dank für deine Eindrücke! Einen Austobe-Text wird es bestimmt noch geben ... ;)

lg
fenestra

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 09.07.2009, 11:22

Hallo fenestra,

nur erstmal eine technische Anmerkung:

Irgendwas stimmt mit deiner Mikrophonie nicht, da es heftigst ploppt und bullert.
Falls du nur einen normalen Schaumgummiüberzug (oder gar keinen) für das Mikro hast, würde ich mal versuchen, an dem Mikro vorbei zu sprechen, also nicht hinein.

Der Klang deiner Aufnahme und deiner Stimme ist aber schon sehr fein.

Tom
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 09.07.2009, 13:25

Huch, wie kann das denn sein, Tom?
Ich habe noch nie hier im Forum eine Lesung von solch guter technischer Qualität gehört! Deshalb fragte ich fenestra ja auch gleich am Anfang, womit sie den Text aufgenommen hat.
Ist es wirklich möglich, dass man es so unterschiedlich hören kann? Liegt es an den Lautsprechern, die man im eigenen PC eingebaut hat?

Verblüffte Mucki

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 09.07.2009, 14:01

Keine Ahnung, ich hab hier ne ganz brauchbare Aktiv-Monitoranlage mit mild eingestelltem Subwoofer am PC.
Die Plopps und das Dröhnen spielen sich im Bassbereich ab, und der ist bei vielen Speakern ohne Subwoofer meist unterbelichtet. Kann sein, dass man das auf 'normalen' Mittenlautsprechern ohne Tiefbass kaum wahrnimmt.

Ich höre bei fast jedem 'h' den Lufthauch, der ein deutliches Windgeräusch macht, also einen zu hohen Druck auf die Membran erzeugt. Ebenso bei den Plosiven 'd' 't' 'b' und 'p', da ploppt und dröhnt es richtig laut und deutlich.

Bei '10 minuten' haben wir im Gegensatz dazu den Bass übersteuert, was man auf guten Lautsprechenrn leider auch unangenehm als Dröhnen oder Wummern hört. Henrik hat aber ein Profimikrofon mit richtig großer Ploppschutzscheibe (wie so'n Ding im Radiostudio), in das man auch geradeaus reinsprechen kann.
Und wir haben im Proberaum eine Ecke mit Noppenschaumstoff aufgebaut, was den größten Spektrumsbereich (Höhen/Mitten) schluckt, also keine Reflexionen zulässt.
Man hört da wirklich keine Plopps, die vom Luftdruck herrühren.
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Beitragvon fenestra » 09.07.2009, 18:26

Hallo, Tom,

ich habe einen Schaumgummiüberzug benutzt, aber ich bin nicht sicher, wie nah ich ran darf bei der Aufnahme. Wenn ich zu weit weg bin vom Mikro (d.h. ca. 25 cm), hört sich meine Stimme an, als wenn ich lisple, was aber definitiv nicht der Fall ist. ;)

Ich selbst höre - wie alle anderen bisher - bei der Wiedergabe keine Atemzüge und Plopps, es scheint also eher an der Empfindlichkeit deiner Wiedergabetechnik zu liegen. Allerdings habe ich vielleicht etwas übersteuert. Zumindest beim Workoholic-Rap wurde der Ausschlag sehr stark angezeigt. Ich weiß nicht, ob man es nachträglich bearbeiten und abschwächen kann.

lg
fenestra

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 09.07.2009, 19:26

Hallo fenestra,

du musst schon nah ran, damit nicht die ganze Dynamik verlorengeht. Aber versuche wie gesagt mal, an der Membran vorbei zu sprechen, nicht direkt da rein. Dann kannst du quasi mit dem Lippen fast am Mikro kleben.

Bei 'Heckenrose' sind das m.E. keine Übersteuerungen, sondern wirkliche Luftplopps bei bestimmten Konsonanten (daher 'Plosive'). Und die kriegt man vielleicht in nem Hammerstudio rausgefiltert, mit audacity aber nur sehr unbefriedigend (weil der Effekt auch vieles andere wegschneidet). Zumal es hier bei der Aufnahme ständig vorkommt und nicht nur vereinzelt.

Ich würde immer versuchen, möglichst wenig hinterher zu machen, sondern schon bei der Aufnahme selbst die Fehler zu eliminieren.

Den Rap hab ich noch gar nicht gehört, hol ich nach :o)

LieGrüTo
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