I
Ich lebe in plänen
die ich umwerfe
organisiere termine
zum canceln
das gefühl der freiheit schmeckt süß
Mit großen schlucken schiebe ich das kleine schlechte gewissen nach unten:
so viel mühe mache ich mir umsonst
bewerbe mich auf jobs
die ich nicht haben will
weil mein leben zu kurz ist
Morgen kann es vorbei sein
die sehnsucht macht unruhig
manchmal kaufe ich nicht nur im buchladen zu viel
bestelle im werder fanshop neun sachen
als wäre ein geschenk zu wenig
Der kapitalismus hat mich voll im griff
jede neuigkeit spricht mich persönlich an stößt mich ab
jede information meint mich
ruft mich
zur tat
II
Es gibt so viel!
nie ist es genug, und immer zu viel
so wie ich.
wäre ich jung, hätte ich adhs
nicht die auffällige sorte, ich bin
nur innerlich schwierig
funktioniere
gegen mich selbst, tue kontrolliert
super organisiert
ich bin sehr überzeugend
Zuverlässig, dass es schmerzt
verfehle ich mich als managerin
jeder kann sich auf mich verlassen
außer ich
mein zerstreuungssyndrom äußert sich im geheimen
III
Überfluss von gedanken, gefühlen, möglich- und vergesslichkeiten
ich könnte so viel versuchen
und würde so gern ausruhen
dann sage ich zärtlich kumbo zum eichhörnchen
als bräuchte es trost mehr als ich
Cancel culture
"wäre ich jung, hätte ich adhs" -
das kann man auch als erwachsene haben!
ja, dieser text klingt ein bisschen so. ich glaube aber, hier kann sich in einigen punkten so mancher wiederfinden. :)
das kann man auch als erwachsene haben!
ja, dieser text klingt ein bisschen so. ich glaube aber, hier kann sich in einigen punkten so mancher wiederfinden. :)
- OscarTheFish
- Beiträge: 323
- Registriert: 08.11.2015
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birke hat geschrieben:"wäre ich jung, hätte ich adhs" -
das kann man auch als erwachsene haben!
ja, dieser text klingt ein bisschen so. ich glaube aber, hier kann sich in einigen punkten so mancher wiederfinden. :)
Dem stimme ich zu. Das verwächst sich zwar im Erwachsenenalter ein wenig, aber lediglich in der Hinsicht, dass man mit den neurophysiologischen Normabweichungen etwas besser umgehen und Phänomene wie den Hyperfokus und das Überwinden von Prokrastination besser bedienen kann - sofern man sich darum strategisch bemüht.
So kann ich stundenlang Autofahren, fühle mich dabei wohl und komme trotzdem entspannt an, auch wenn die Verkehrsverhältnisse viel Aufmerksamkeit fordern. Das liegt am angemessen wohldosierten sensorischen Input laut meiner Deutung.
Ein paar ausgewählte Werke zur Stillung weiterer Neugier:
AKUTES ABDOMEN, OBWOHL WIR BLIND SIND, SCHMUSEREI, MUCH ADO ABOUT FUJI.
Gedichte von: Der beste Dichter der Welt und XRayFusion.
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Tja, das kommt davon, wenn man Texte medizinisch liest, die keine Mediziner-Texte sind 
Zwar "erkläre" ich äußerst ungern meine Texte, weil sie ja in jedem Ohr anders schwingen etc., aber weil ihr es seid:
Der Vers "Wäre ich jung, hätte ich adhs" ist eher augenzwinkernd gemeint.
Einerseits.
Anderseits wehrt das lyrisch erzählende Ich die Diagnose ab.
Ob es weiß, dass ADHS im Erwachsenenalter vorkommt - wer heute Medien wahrnimmt, kann sich dieser Modediagnose kaum entziehen - ist unbekannt bis egal.
Vielleicht hat dieses Ich ja auch gar kein ADHS?
Immerhin kennt es sich mit dem Gegenteil von Prokrastrination - vorauseilender Gehorsam, Übersollerfüllung - bestens aus.
Ich danke euch!

Zwar "erkläre" ich äußerst ungern meine Texte, weil sie ja in jedem Ohr anders schwingen etc., aber weil ihr es seid:
Der Vers "Wäre ich jung, hätte ich adhs" ist eher augenzwinkernd gemeint.
Einerseits.
Anderseits wehrt das lyrisch erzählende Ich die Diagnose ab.
Ob es weiß, dass ADHS im Erwachsenenalter vorkommt - wer heute Medien wahrnimmt, kann sich dieser Modediagnose kaum entziehen - ist unbekannt bis egal.
Vielleicht hat dieses Ich ja auch gar kein ADHS?
Immerhin kennt es sich mit dem Gegenteil von Prokrastrination - vorauseilender Gehorsam, Übersollerfüllung - bestens aus.
Ich danke euch!
ja, aber der vers steht nun so da, und dies war mein erster gedanke dazu, das lyr.ich fühlt sich ja anscheinend ein wenig so. kann natürlich auch ironisch gelesen werden, ja, allerdings habe ich das hier eher "ernst genommen", da der text ja durchaus in so eine richtung geht. wobei ich gerade denke, dass der titel vielleicht doch eher eine ironie nahelegt. es steckt wohl beides drin?
[ansonsten adhs usw – ein weites feld, sicherlich gibt es das, so wie ads, neurodivergenz, hochsensibilität, hochbegabung etc pp und manchmal hilft es vermutlich betroffenen, eine „diagnose“ zu haben, und ggfs behandlung zu erhalten, aber andererseits ist man heute sehr schnell dabei. dabei sind menschen doch nun mal einfach so unterschiedlich, es gibt so unterschiedliche persönlichkeiten. aber ich habe auch zu wenig ahnung davon, von der medizinischen seite. das nur noch am rande.]
[ansonsten adhs usw – ein weites feld, sicherlich gibt es das, so wie ads, neurodivergenz, hochsensibilität, hochbegabung etc pp und manchmal hilft es vermutlich betroffenen, eine „diagnose“ zu haben, und ggfs behandlung zu erhalten, aber andererseits ist man heute sehr schnell dabei. dabei sind menschen doch nun mal einfach so unterschiedlich, es gibt so unterschiedliche persönlichkeiten. aber ich habe auch zu wenig ahnung davon, von der medizinischen seite. das nur noch am rande.]
- OscarTheFish
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birke hat geschrieben:[ansonsten adhs usw – ein weites feld, sicherlich gibt es das, so wie ads, neurodivergenz, hochsensibilität, hochbegabung etc pp und manchmal hilft es vermutlich betroffenen, eine „diagnose“ zu haben, und ggfs behandlung zu erhalten, aber andererseits ist man heute sehr schnell dabei. dabei sind menschen doch nun mal einfach so unterschiedlich, es gibt so unterschiedliche persönlichkeiten. aber ich habe auch zu wenig ahnung davon, von der medizinischen seite. das nur noch am rande.]
Man kann den Spieß auch umdrehen: Die Menschen sind in ihrer Unterschiedlichkeit nicht das Problem, sondern die übergriffigen Verzweckungsstrukturen eines staatlichen Verwaltungssystem, das in jedem Individuum eher eine humane Ressource sieht und von Vielfalt faselt, jedoch höchst einfältig vor sich hinschimmelt.
Ein paar ausgewählte Werke zur Stillung weiterer Neugier:
AKUTES ABDOMEN, OBWOHL WIR BLIND SIND, SCHMUSEREI, MUCH ADO ABOUT FUJI.
Gedichte von: Der beste Dichter der Welt und XRayFusion.
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- OscarTheFish
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Klara hat geschrieben:Tja, das kommt davon, wenn man Texte medizinisch liest, die keine Mediziner-Texte sind
Bei mir schwingen diese inhaltlichen Nebeninhalte stark mit und regen mich zum fachlichen Mitdenken an. Gerade das Thema ADHS ist für mich von gewisser Bedeutung und bin doch eigentlich dankbar, wenn es ein wenig Platz in der Lyrik findet und erwähnt wird (wenngleich auch mit anderer Intention).
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