[geraten wir in schieflage]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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birke
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Beitragvon birke » 06.11.2026, 13:10

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von gewölbten versen ausgehend
geraten wir in eine schieflage
strecke ich die hand aus
dehne die seite
fällt mir alles leicht
aus dem rahmen
läuft aus dem ruder
wirbelt stabbuchen durch
einander geben wir halt
irgendwer wirds schon richten
irgendwann sagst du
glätten sich die wogen
und ein reim
legt sich ins gras
.
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

jondoy
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Beitragvon jondoy » 06.11.2026, 22:40

hallo birke,

es ist einfach so, dass mich die sprache deiner texte und deshalb viele deiner texte sehr ansprechen, und ich mich daher jedesmal freue, einen neuen Text von dir hier zu lesen, wenn ich wieder mal einen entdecke, und ich deshalb nicht die finger lassen kann, spontan, also unvorsichtig etwas dazu zu schreiben....
.....der hier kam mir beim Lesen vor wie eine geschichte, ich war verblüfft, dass er mir beim Lesen wie Prosa vorkam, in ein lyrisches gewand gesteckt, auf so wenige Zeilen reduziert, die dennoch viele Wendungen hat, auf engstem Raum, für mich ist das Sprachkunst, auch sie so weich daher kommt, dennoch sehr reflektiert und jedes wort ausgesucht, bewusst gesetzt, dass es mir Freude macht, mich anregt, diesen Gedanken zu folgen
.....bei einem Wort...stabbuchen...habe ich nachgedacht, da ich es nicht kannte, mich gefragt, ob es dieses Wort gibt oder erfunden ist ...und habe im Online-Lexikon keine zweifelsfreie Antwort darauf gefunden, es könnten Stäbe aus Buchenholz sein, die da durcheinander gewirbelt werden....und was ich auch noch bemerkenswert finde, ist diese doppeldeutigkeit, ihren ursprung nimmt diese Betrachtung, in der mir die Zeile 'fällt mir alles leicht' so mittendrin wie das imaginäre Auge einer "Wasserwaage" vorkommt, für eine Millisekunde ist alles wieder eben, aber eben nur für eine Millisekunde, schon beim nächsten Wort geraten wir beim Lesen sofort wieder in die nächste Schieflage, ihren Ursprung verdankt dieses Balancieren auf diesem Schiefseilakt ....gewölbten versen....und natürlich, liebe dichterin, würde mich als geneigter Leser interessieren, wofür die 'gewölbten verse' des lyrischen Ichs stehen, ungerade, nicht richtig auf den Punkt bringende ?, da rätselt sogar meine Fantasie, eine Metapher sicherlich, aber für was die steht, entzieht sich meiner Vorstellungskraft, ist aber auch kein Wunder, den Lyrik will ja oft im verborgenen wirken/blühen, in lyrischen Zeilen ist manches häufig nur angedeutet, ich sitze am Ufer des 'zwischen den zeilen'-meeres und lausche den Wellen, wie sie in Sicht in Schieflage geraten und am Ende legt sich ein Reim wie einst Alice, nachdem sie aus den Trümmern des schiefen Weltbildes kroch, ins Gras, ein schönes bild, wie dieser kleine feine Text endet, find ich, und so weich.


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