Beitragvon Lisa » 27.07.2009, 08:56
Lieber Mario,
ich finde die Mischung aus Bild gewordenen Buchstaben immer spannend, besonders weil es sich hier umkeine durch ein Bildbearbeitungsprogramm hinzugefügte Worte handelt, sondern durch echte Farbe aufgetragene - ich mag es, wie man so zugleich Schrift/Text und Bild wahrnimmt und das ganze fest zusammenstimmt. Zudem entsteht eine schöne Mischung aus Kopfanteil und Sinnlichkeit/starker Emotionalität - diese zwei Aspekte gefallen mir sehr gut!
Der Stil ist mir letztlich aber noch zu wenig - beim unteren assoziiert man mit den roten an die Leinwand "geklatschten" Farbklecksen, die nach unten laufen am ehesten Blut oder etwas aus diesem Feld - der genannte schon allein sehr kräftig angelegte Schrei wird dadurch noch verstärkt, sodass ich das ganze als etwas zu kräftig aufbäumerisch empfinde - analog zu Kitsch vielleicht - die Selbstbeschäftigung scheint mich so anszuspringen, der Druck ist so groß. Was icht heißt, dass es solche Zustände nicht gibt, aber sie sind nicht "Vorgehensweisen", die sich für mich als Zwangsausbrüche lohnen.
Der Text des zweiten ist ein ganz spannendes (scheinbares) Paradoxon, mir gefällt er als Modell für den im Alltag gefangenen Menschen: der Schrei entsteht aufgrund der Enge des Alltags, aber bleibt zugleich auch wieder in diesem stecken - es entsteht eine hilflose/unnützte Ausdrucksform aufgrund der Enge, mit der man sich auch nicht befreien kann, wenn ich ein wenig an Munks Schrei und dies Kreisel darin denke, dann ist das dort ja auch ein bisschen gesagt - der Schrei zeichnet sich eher nach innen ab.
Beim zweiten Bild, finde ich die Bildelemente etwas ausgereifter, man kann eine Komposition erkennen (etwa das Orhtogonalprinzip, was zur Situation passt), hier nun wieder finde ich aber den Text etwas nichtssagend - dazu der etwas getragen wirkende Genitiv "des Lebens Länge" - ich weiß eigentlich nicht wirklich, was mir die Worte sagen sollen - und warum ich das nicht weiß: Weil ich es nicht erschließen kann oder weil es für mich zu oberflächlich ist.
liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.